Mit ihrer neuen Startup- und Scaleup-Initiative verfolgt die Bundesregierung eine weiterentwickelte Wachstumsstrategie für innovative Unternehmen. Das Maßnahmenpaket umfasst unter anderem den Deutschlandfonds, Startup Factories, die Mobilisierung von Wagniskapital, Verbesserungen bei der Mitarbeiterkapitalbeteiligung sowie weitere Maßnahmen zum Abbau von Wachstumshemmnissen. Die meisten dieser Instrumente sind dem Grunde nach nicht neu. Neu ist vielmehr ihre politische Bündelung, Weiterentwicklung und strategische Einordnung.
Die aktuelle Diskussion richtet sich verständlicherweise auf die einzelnen Maßnahmen und ihre jeweilige Ausgestaltung. Damit steht jedes Instrument zwangsläufig für sich im Mittelpunkt. Weniger Beachtung findet bislang die Frage, welche gemeinsame Wachstumsstrategie diese Maßnahmen verbindet. Gerade sie dürfte jedoch der Schlüssel zum Verständnis der neuen Startup- und Scaleup-Initiative sein.
In der Beratung zeigt sich immer wieder, dass Unternehmen selten an einer einzelnen Rechtsfrage oder einer einzelnen Finanzierungsrunde scheitern. Entscheidend ist vielmehr, ob im richtigen Zeitpunkt die Voraussetzungen für den nächsten Wachstumsschritt geschaffen werden. Mit jeder Entwicklungsstufe verändern sich die Anforderungen an Finanzierung, Gesellschaftsrecht, Governance, Regulierung, steuerliche Strukturen und die Erwartungen der Investoren. Nachhaltiges Wachstum entsteht deshalb nicht durch die isolierte Optimierung einzelner Disziplinen, sondern durch ihr Zusammenspiel.
Mehr als Deutschlandfonds, Startup Factories und Wagniskapital:
Welche gemeinsame Wachstumsstrategie verbindet diese Maßnahmen?
Die Antwort liegt in ihrem Zusammenspiel über die verschiedenen Wachstumsphasen eines Unternehmens hinweg.
Ein neues Verständnis von Unternehmenswachstum
Genau hierin liegt der eigentliche Perspektivwechsel der neuen Startup- und Scaleup-Initiative. Die einzelnen Maßnahmen sind nicht lediglich eine weitere Sammlung wirtschaftspolitischer Instrumente. Sie beruhen vielmehr auf einem anderen Verständnis von Unternehmenswachstum.
Startup Factories stärken den Wissens- und Technologietransfer, die Mitarbeiterkapitalbeteiligung erleichtert die Gewinnung und Bindung von Talenten, der Deutschlandfonds adressiert Finanzierungslücken in späteren Wachstumsphasen, während weitere Maßnahmen die regulatorischen und steuerlichen Rahmenbedingungen verbessern oder bürokratische Hürden abbauen.
Konsequenzen für die Beratung
Diese veränderte Sicht auf Unternehmenswachstum hat auch Konsequenzen für die Beratung. Es reicht nicht mehr aus, einzelne Rechtsgebiete oder Fachdisziplinen isoliert zu optimieren. Entscheidend ist vielmehr, die unterschiedlichen Anforderungen der einzelnen Wachstumsphasen ganzheitlich zu verstehen und die verschiedenen Disziplinen so miteinander zu verbinden, dass sie den nächsten Entwicklungsschritt des Unternehmens ermöglichen.
Wachstum als Entwicklungsprozess
In ihrer Gesamtheit adressieren die Maßnahmen unterschiedliche Ursachen der deutschen Scale-up-Lücke. Sie verfolgen nicht ein einzelnes wirtschaftspolitisches Ziel, sondern verbessern unterschiedliche Voraussetzungen für erfolgreiches Unternehmenswachstum.
Wachstum wird damit nicht mehr als Ergebnis einzelner Förderinstrumente verstanden, sondern als Entwicklungsprozess, dessen Anforderungen sich mit jeder Unternehmensphase verändern.
Finanzierung des nächsten Wachstumsschritts
Besonders deutlich wird dies am Beispiel der Finanzierung. Staatliche Mittel können Innovationen anstoßen, Risiken reduzieren und privates Kapital mobilisieren. Ob Investoren und Kreditgeber letztlich bereit sind, den nächsten Wachstumsschritt zu finanzieren, hängt jedoch von weit mehr ab als vom Kapitalbedarf allein. Entscheidend sind ebenso die Qualität des Geschäftsmodells, die Marktchancen, belastbare gesellschaftsrechtliche Strukturen, gute Governance, regulatorische Verlässlichkeit und professionelle Unternehmensprozesse.
Ein typisches Beispiel hierfür ist der Übergang von der Seed- zur Series-A-Finanzierung. Kapital ist in dieser Phase häufig grundsätzlich vorhanden. Ob ein Unternehmen dieses Kapital tatsächlich erhält, hängt jedoch maßgeblich davon ab, ob es bereits die Anforderungen institutioneller Investoren erfüllt. Das zeigt: Wachstum scheitert häufig weniger am fehlenden Kapital als an einer unzureichenden Investitions- und Finanzierungsfähigkeit.